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  karma  
  Die Kette des bedingten Entstehens
Das Rad des Lebens
Karma
 
         
 

karma wheelSchlange, Hahn und Schwein
Im Zentrum jedes buddhistischen Rads
des Lebens stehen Schlange, Hahn und
Schwein. Sie symbolisieren die negativen
Triebkraefte Gier (Hahn), Hass (Schlange)
und Unwissenheit (Schwein), die das
leidvolle Rad in Gang halten.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
     

Eine ganz zentrale Lehre des Buddhismus, quer durch alle Schulen, ist die des bedingten Entstehens. Sie geht auf den historischen Buddha zurueck.

Buddha legte anhand einer zwoelfgliedrigen Kausalkette dar, wie die negativen Geistesfaktoren Gier, Hass und Unwissenheit immer aufs Neue zu Dukkha, Leid, fuehren. Hierbei ist die "Unwissenheit" der zentrale Faktor. Damit ist natuerlich kein Mangel an Bildung, intellektuellem Wissen oder Aehnliches gemeint, sondern vielmehr unser "Uebersehen" der Wirklichkeit durch die pausenlose Projektion unserer Wuensche, Abneigungen etc. auf die Wirklichkeit. Dadurch "sehen" und erleben wir eigentlich nie die Realitaet dieses Augenblicks.

Der Erwachte verdeutlichte diesen grundlegenden Sachverhalt mit seiner "Kette des bedingten Entstehens". Mit den einzelnen Gliedern der Kette ist nicht notwendig ein Fortschreiten durch die Zeit oder den Raum verbunden. Vielmehr ist bereits durch die ganze Kette gefesselt, wer nur ein Glied der Kette ergreift, da ja eine Kette auch nur existieren kann, wenn mehrere oder alle ihre Glieder zusammenhaengen!

     
           
     

Die Glieder sind im Einzelnen:

  1. Nicht-Wissen (oder Unwissenheit)
  2. Tatabsichten
  3. Bewusstsein
  4. Geist und Koerper
  5. Die sechs Sinne
  6. Beruehrung
  7. Empfindung
  8. Gier
  9. Ergreifen
  10. Sein
  11. Geburt
  12. Leid und Tod (Dukkha)

Jede (nicht-erleuchtete) menschliche Existenz laeuft demnach nach demselben Grundmuster ab:

  1. Die Unwissenheit, d.h. das Nicht-Erkennen des Jetzt als der einzigen Wirklichkeit und der Glaube an ein autonomes "Ich" fuehrt zu...

  2. Tatabsichten oder Karma, d.h. der Geist verlangt nach etwas ausserhalb seiner selbst, demzufolge...

  3. nimmt der Geist Objekte als getrennt von sich wahr ("Bewusstsein"). Gemeint ist ein spezifisches Bewusstsein, naemlich eines , das zwischen "Subjekt" und "Objekt" unterscheidet. Die Trennung der Wirklichkeit in Subjekt ("ich") und Objekt (alles andere außer mir) fuehrt zu

  4. "Geist und Koerper". Konkret auf den Menschen bezogen, ist dies die Stufe, auf der ein neues menschlichen Wesen als Embryo in Erscheinung tritt. Dieses menschliche Wesen entwickelt nun..

  5. die sechs Sinne. (Im Indien Buddhas kannte man sechs Sinne, da das Denken als eigenstaendige Sinnesfunktion galt.)

  6. Logische Folge der Sinnesfunktionen ist die "Beruehrung" der Sinne (Subjekt) mit der aeußeren Welt (Objekt).

  7. Die "Beruehrung" hat Empfindungen positiver oder negativer Art zur Folge. Mit anderen Worten: der Mensch wertet, bewertet und isoliert sich damit von der lebendigen Wirklichkeit.

  8. Es entsteht Verlangen oder "Gier" im weitesten Sinne. Darunter ist sowohl das Streben nach Lustgewinn aller Art, als auch das Haben-Wollen von materiellen Gegenstaenden, Statussymbolen, Macht etc. gemeint.

  9. Der "Gier" folgt das "Ergreifen" der gewuenschten Eigenschaften durch den Geist und Koerper.

  10. Dies fuehrt zu der Illusion, dass das eigene Selbst und die Außenwelt bestaendig sind, was der Buddha mit "Sein" oder "Werden" umschrieb. Damit ist die Voraussetzung fuer eine neue...

  11. Geburt gelegt. Das Geborenwerden und die Illusion, als voellig autonomes Wesen abgetrennt von allem anderen zu leben fuehrt schliesslich unweigerlich wieder zu

  12. Leid und Tod (Dukkha).
         
     

ying_yang Tai Chi
Ying und Yang symbolisieren die Polaritaet in der Einheit.
Yin ist das Weibliche, Passive, Empfangende, Dunkle und
Weiche, Yang das Maennliche, Aktive, Helle und Harte.
Aus dem Zusammenspiel und der Harmonie dieser beiden
Gegenpole entsteht das ganze Universum.

Der Buddhismus hat dieses Symbol aus der chinesischen
Philosophie uebernommen.

           
     

Man kann sich diese Kette gut als Kreis vorstellen. Sie beschreibt nach buddhistischer Ansicht das Rad des Lebens bzw. den Kreislauf der Wiedergeburten oder Samsara.

Solange der Mensh nicht die wahren Ursachen fuer sein Leiden erkennt, bleibt er in diesem Kreislauf gefangen. Da alles Leben ein Strom aus Werden und Vergehen ist, wird auch der Mensch zahllose Male "wiedergeboren" - je nach seinen Taten im vorigen Leben. Da nach buddhistischer Ansicht absolut jede Tat, auch jeder Gedanke, jedes Gefuehl etc. Folgen hinterlaesst, sammelt jedes Wesen auf diese Art und Weise "Karma" an.

Karma bedeutet einfach: Auswirkungen frueherer Taten - Taten im jetzigen Leben oder in vorangegangenen. Diese Taten konditionieren den Menschen, aber sie determinieren ihn nicht. Mit anderen Worten: du bist, was du tust, denkst, fuehlst usw.- aber du bist dennoch frei. Ohne diesen freien Willen waere ja eine Befreiung aus dem leidvollen Kreislauf des Samsara gar nicht moeglich, also kein Nirvana.

Jedes Wesen durchlaeuft im Laufe der Zeit verschiedene Welten. Es gibt im Buddhismus drei positive und drei negative Welten. Nach traditioneller buddhistischer Ansicht gibt es beispielsweise auch eine Goetterwelt und eine Hoelle.

Vielfach werden die sechs Welten aber auch psychologisch gedeutet als verschiedene Geisteszustaende. Wer somit z.B. extrem sadistisch ist, schafft anderen (und damit auch sich selbst!) die Hoelle auf Erden, lebt im Grunde in seiner eigenen "Hoelle".

Nach buddhistischer Auffassung gibt es zwar Wiedergeburt (Reinkarnation). Doch ist es nicht wichtig, zu wissen wer oder was "ich" in "meinem" letzten Leben war. Dies kann mir zwar helfen, mein jetziges Leben zu verstehen, aber entscheidend ist einzig und allein das Hier und Jetzt. Der Erwachte selbst lehnte demnach auch jede metaphysische Spekulation ueber fruehere Leben, ein Leben nach dem Tod, die Existenz Gottes usw. ab, weil er wusste, dass sich solche Fragen niemals mit dem Verstand oder durch Glauben loesen lassen. Letztlich lenken sie uns nur von unserer Befreiung im Hier und Jetzt ab, denn sie hindern uns daran, das Leben als den unendlichen Prozess zu erkennen, der es in Wirklichkeit ist.

 

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